Meine Auffassung von Minimalismus

Wenn man heutzutage „Minimalismus“ hört, denkt man doch meistens an Menschen die kaum Möbel oder sonstige Besitztümer in ihrer Wohnung haben. Wenn sie denn überhaupt eine Wohnung haben. Schlafen unter freiem Sternenhimmel ist ja auch eine Möglichkeit. Oder man denkt an Menschen mit einem beschädigten Verhältnis zur Ordnung, wo putzen erst abgeschlossen ist, wenn nichts mehr da ist.

Klingt im ersten Moment ziemlich Wahnsinnig. Wieso sollte man denn so wenig wie möglich wollen? Was denken denn da die Leute von einem? Kaufen die gar nichts? Was machen die mit ihrer ganzen Zeit? Klingt ja total langweilig.

In einem leeren rechteckigen Raum auf dem Boden zu sitzen, wäre wohl tatsächlich langweilig. Außer der Raum hat Gummiwände und eine Zellentür, da würde die eigene „Kreativität“ vermutlich reichen, um ein schönes Leben zu haben. Aber auch Menschen außerhalb einer psychiatrischen Anstalt könnten ihr Leben so viel einfacher gestalten, wenn sie das Prinzip von Minimalismus verstehen würden. Und da im Leben bekanntlich nichts objektiv ist, erzähle ich etwas über meine Ansicht von Minimalismus.

Um gleich mal in der falschen Reihenfolge anzufangen, ein Beispiel. Stellt euch vor, ihr müsst eine Hausarbeit, einen Projektplan, eine Liste oder vielleicht auch das erste Kapitel eures Buches schreiben. Oder noch besser, ihr wollt es schreiben. Wo gelingt euch das besser? An einem Schreibtisch auf dem zahlreiche weitere Dokumente liegen, ein Youtube-Video auf dem Bildschirm flackert, Musik im Hintergrund läuft, und am besten noch der Teller vom Abendessen neben dir steht, weil du ja „arbeiten“ musst, und keine Zeit für anständiges essen hast? Oder auf einem schönen sauberen Schreibtisch aus dunklem Holz, nur du, ein Stift und ein leerer Blog oder ein Laptop, Ruhe und Lust auf Arbeit?

Wenn du jetzt sagst, der vollgepackte Schreibtisch „fördert deine Kreativität“, dann belügst du dich vermutlich selbst. Aber um zu meiner Definition von Minimalismus zu kommen: Du bist Minimalist, wenn du dich immer nur auf das wichtigste Konzentrierst, und jede Möglichkeit nutzt, Ablenkungen und sinnlose Dinge aus deinem Leben zu entfernen. Dass das ganze Konzept von Minimalismus nicht in einen Satz gepackt werden kann ist klar, definiert aber für mich die Grundlage.

Eine Sache differenziert jedoch meine Auffassung von Minimalismus gegenüber der von vielen anderen. Ich bin der Meinung, dass auch das gelegentliche Auskosten von „Sünden“ ein Teil des Entwicklungsprozesses zu einem besseren Menschen ist. Also auch mal auf eine Party gehen und Alkohol trinken, einen ganzen Abend lang Videospiele spielen, mal so richtig ungesund essen. Wenn man das selten macht, merkt man vielleicht auch irgendwann, dass die Reue danach oft schlimmer ist, als der Spaß den man davor hatte. Trotzdem kann das Nutzen des Minimalismus-Prinzips einem bei dem Verfolgen seiner Träume und Ziele helfen.

 

Minimalistischer leben

Bevor wir Ablenkungen und sinnlose Dinge entfernen, müssen wir natürlich festlegen, was wichtig ist, und was nicht. Grundsätzlich unterscheidet sich das vermutlich bei allen Menschen. Aber jedem sollte bewusst sein, dass Dinge wie fernsehen, Stunden lang den Facebook- oder Instagram-Feed durchgehen und weitere solche Sachen wohl keine gute Verwendung der Zeit darstellen.

Wichtige Dinge können für einen die Arbeit an einem Blog, einem Programmier-Projekt, einem Buch, oder auch das Lernen für die Uni sein. Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen gehört da auch dazu. Grundsätzlich sind Arbeiten die Dinge auf eine kreative Art und Weise schaffen, meist eine sehr erfüllende Verwendung der eigenen Zeit. Solche Momente hatte wohl schon jeder, als er vielleicht ein Holz-Auto im Werkunterricht der Schule gefertigt hat, ein Lied gelernt und vorgesungen hat, oder beim Basteln etwas besonders Schönes hergestellt hat. Ich bin auch immer sehr froh, wenn ich einen Blog-Artikel fertig geschrieben habe. Das Gefühl, etwas eigenes für andere Menschen geschaffen zu haben, ist tausend Mal besser als Abends ein Ründchen Battlefield zu spielen.

Um nochmal auf meine Definition zurück zu kommen: Der aufmerksame Leser hat bemerkt, dass dort steht, man soll Ablenkungen und sinnlose Dinge aus seinem Leben entfernen. Nicht wegräumen. Entfernen wie wegschmeißen. Verkaufen. Verschenken. Was auch immer. Vielleicht solltest du nicht unbedingt als erstes dein Bett und all deine Klamotten verschwinden lassen, das wäre nicht die richtige Herangehensweise. Das ist wie mit noch zu erledigenden Arbeiten. Das Prinzip „Wenn ich sie nicht sehe, dann denke ich auch nicht daran“ funktioniert da nicht. Unerledigte Arbeiten hat man dann meistens während anderen Dingen im Kopf. Solche Ablenkungen sollten tatsächlich komplett aus dem Leben entfernt werden. Das bezieht sich zum einen auf Aufgaben die zu erledigen sind, und zum anderen auf überflüssige Objekte. Sieh dich in deinem Zimmer um. Wie viel von den Dingen die hier rumstehen, brauchst du wirklich? Die Antwort wird bei vielen Dingen so etwas wie „Naja hin und wieder…“ sein. Und wenn du ehrlich zu dir selbst bist, hast du sie vermutlich das ganze Jahr noch nicht angerührt, vielleicht auch letztes Jahr nicht.

 

Nun da du weißt, was Minimalismus für mich ist, versuche doch mal einige Dinge in deinem Leben umzukrempeln. Fange damit an, deinen Arbeitsbereich oder dein Wohnzimmer etwas aufzuräumen, und Dinge die du selten bis gar nicht benötigst, wegzuwerfen oder zu verkaufen. Das Ziel ist natürlich nicht, den frei gewordenen Platz gleich wieder mit anderen Objekten vollzustellen. Aber vielleicht wirst du ja merken, dass es sich gut anfühlt, weniger vor dir zu haben. Zum Abschluss ein sehr passender Spruch zum Minimalismus:

Weniger ist mehr.

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